Bettina Wiesmann: Wer bezahlt für die Ganztags-Kita?

OB Feldmann (SPD) marschiert – leider in die falsche Richtung! Im Verein mit Bildungsdezernentin Weber (ebenfalls SPD) will er uns einreden, der Besuch eines Kindergartens könne problemlos ganztags gebührenfrei gestellt werden. Da die schwarz-grüne Landesregierung ab August für den 6-stündigen Besuch so großzügige Zuschüsse zahlt, dass die maßvollen Frankfurter Sätze sogar für den Ganztagsplatz damit kompensiert werden könnten, dreht die SPD in Sachen Gratis-Kita nochmal auf und schert sich nicht um die wirklichen Herausforderungen.

 

Aber Geldverschwendung und Volksverdummung müssen ein Ende haben.

 

Die Gründe:

 

 

  1. Schon heute zahlen Frankfurter Familien wenig: Bei einem Familieneinkommen von 3000 Euro monatlich kostet ein Ganztagsplatz nur 77 Euro. Bedürftige Familien zahlen schon jetzt nichts. Der Frankfurter Geldsegen hat also keine Bedeutung für die Chancengerechtigkeit: Die SPD-Wohltat kommt nur bei gut und besser situierten Familien an.
  2. Das Land entlastet ab August die Eltern bei den Gebühren bereits für das Wesentliche, den Kindergartenbesuch in der Kernzeit von sechs Stunden. Wer sein Kind noch länger im Kindergarten betreut haben will, hat nur minimale Mehrkosten, beim genannten Familienbeispiel werden es nur etwa 15 Euro im Monat sein. Dieser Betrag kann von erwerbstätigen Eltern allemal aufgebracht werden.
  3. Den Ganztag vollständig beitragsfrei zu stellen, setzt problematische Anreize: Sollen alle Kinder ganztags in den Kindergarten? Das ist längst nicht für alle Kinder gut, denn Kinder entwickeln sich zu unterschiedlich, um alle mit der ganztägigen Situation außerhalb des familiären Rückzugsraums problemlos zurechtzukommen. Besonders riskant ist diese Politik, weil sie der notwendigen Qualitätsverbesserung die Mittel entzieht: Mehr pädagogisches Personal, kleinere Gruppen, bessere Räumlichkeiten sind unverzichtbare Voraussetzungen für eine gute Ganztagsbetreuung!
  4. Das Geld wird anderweitig gebraucht. 8,8 Mio. EUR Jahr für Jahr sind nicht Peanuts! Frankfurt wächst und wächst, entsprechend die Nachfrage nach Betreuungsplätzen. Plätze wie Qualität werden hohe zusätzliche Beträge erfordern, die den bereits hoch defizitären Haushalt unserer Stadt absehbar weiter belasten werden.
  5. Das propagierte Fernziel des OB, für die gesamte Kinderbetreuung von null bis zehn Jahren alle Elternbeiträge abzuschaffen, erscheint vor diesem Hintergrund einfach nur abenteuerlich. Es nützt weder den Kindern noch den Familien noch der Wirtschaft, wie wir aus Studien wissen, noch den Erzieherinnen, die weiter auf bessere Bedingungen und mehr Bezahlung warten müssten. Stattdessen bedeutet es gewaltige zusätzliche Lasten, die die vermeintlich geförderten Kinder später selbst abzutragen hätten.

Der Nulltarifwahnsinn suggeriert, dass es damit allen besser gehe. Doch die Bürger werden für dumm verkauft: In Wahrheit werden heutige wie künftige Steuerzahler noch stärker belastet, wird die eigentliche Bildungsaufgabe deutlich erschwert, fehlt das Geld für bedarfsgerechte, hochwertige Kinderbetreuung und vieles andere mehr, das in unserer wachsenden Bildungsstadt dringend vonnöten ist.
All das wird in der scheinbar harmlosen Ankündigung „Kita kostenfrei“ erst verschwiegen, dann die Ressourcen der Stadt verschwendet – eine desaströs verantwortungslose Politik der SPD in Frankfurt und Hessen, der die CDU nicht die Hand reichen sollte!

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Hendrik (Montag, 09 April 2018 16:37)

    Eine steuerfinanzierte "Nullkosten"-Kinderbetreuung von null bis zehn Jahren ist aus meiner Sicht durchaus begrüßenswert. Denn das ist aus meiner Sicht der beste Weg, alle Teile der Gesellschaft an den finanziellen Belastungen zu beteiligen, die Kinder mit sich bringen (d.h. inkl. Singles, kinderlos Verheiratete usw.).
    Das widerspricht auch nicht dem richtigerweise eingeforderten Ziel einer qualitativen Verbesserung inkl. angemessener Entlohnung. Nur sollte die Politik dann auch fairerweise dazusagen, dass das möglicherweise nicht ohne Steuererhöhungen zu machen ist (diese würde ich zweckgebunden für Erziehungs-, aber auch für Pflegeberufe absolut mittragen).
    Dann kann der Wähler, umfassend über die Alternativen informiert, selbst entscheiden.

  • #2

    ViVo (Freitag, 13 April 2018 11:55)

    Schöner wäre es doch, endlich dafür zu sorgen, dass die Kitabetreuung attraktiver wird, damit mehr Personal und dann damit mehr Plätze garantiert werden könnten und außerdem, statt nichts mehr zu bezahlen, die Kitazeiten auszuweiten. Sprich die Schließzeiten in den Ferien abzuschaffen, Kinder bis 6. Klasse im Hort zu betreuen und Frauen die Möglichkeit geben, aus der Teilzeitfalle rauszukommen. Bei Schließzeiten um 17 Uhr ist es lediglich Angestellten der Stadt mit 38h/Woche evtl. möglich Vollzeit arbeiten zu gehen. Das nervt mich als Mutter. Ich hab nicht die Schulbank, Ausbildung und ein Studium gemacht um am Ende an den Schließzeiten zu scheitern oder meine Kinder von der Betreuung fremdbetreut abholen zu lassen. Da läuft was falsch. Und bei 30 Tage Urlaub im Jahr und 28 Tage wo Kita/Hort geschlossen sind, hab ich kaum noch Spielraum. Dafür würde ich gerne meine Beiträge weiter zahlen.